Bäcker vs. "Aufbäcker"

Veröffentlicht am 29.01.21

Vielleicht haben Sie schon einmal selbst ein Brot gebacken oder kommen des Öfteren in den Genuss eines frisch gebackenen Brotes aus echter Handwerkskunst des Bäckers Ihres Vertrauens? Dann wissen Sie sicherlich auch, dass ein gutes Brot schnell trocken werden kann, wenn es falsch gelagert wird. Aber wie ist es möglich, dass sich die abgepackten Backwaren aus dem Supermarkt so unverhältnismäßig lange halten? Schließlich ist eine Aufbewahrung von bis zu 10 Tagen hier keine Seltenheit.

 

Der Unterschied zwischen Handwerkskunst und Bequemlichkeit

Es ist kein Geheimnis, dass es sich bei den Brötchen aus dem Supermarkt um aufgebackene Produkte handelt. Doch die wenigsten machen sich Gedanken darüber, was wirklich dran ist. Der springende Punkt hierbei ist jedoch, dass bei der Fertignahrung oftmals technisch erzeugte Enzyme zum Einsatz kommen, meist genetisch hergestellt, um die Backwaren knuspriger und zugleich länger haltbar zu machen. Auch bei der Farbgebung wird nachgeholfen, denn die dunkle Farbe wird an dieser Stelle nicht von der langen Backzeit oder dem Vollkornmehl ausgelöst, sondern durch die Verwendung von Farbstoffen, Malzextrakt oder Karamellsirup.

Zwar haben die Tests eines unabhängigen Lebensmittellabors ergeben, dass Aufbackbrötchen frei von Schadstoffen und somit unbedenklich seien, jedoch verzichtet der Bäckermeister hingegen auf den Gebrauch von Hilfsmitteln wie Emulgatoren, Teigsäuerungs- oder Färbemittel. Aus diesem Grund haben sich zwei Meister aus Bochum und Düsseldorf, auf eine Initiative des WDR-Fernsehens hin, dazu bereit erklärt, die Qualität von Aufbackbrötchen zu testen. Viele Brötchen empfanden die Testesser als zu hell. „Wo kaum Farbe ist, da kann auch nicht viel Geschmack sein, denn erst durch die Röstaromen entfaltet sich der Geschmack“, sagte einer der Bäckermeister. Neben geschmacklichen Schwächen wurden vor allem fehlende Knusprigkeit, Fehlaromen und schlechte Optik bemängelt.

Wer hier auf Nummer sicher gehen möchte, sollte sich an den Siegeln wie beispielsweise Naturland oder Demeter orientieren, da diese Siegel die Verwendung von künstlichen Enzymen vollständig ausschließen.

 

Qualität statt Quantität

Es scheint unmöglich, nachverfolgen zu können, woher die Zutaten der „Aufbäcker“ stammen, doch es ist ersichtlich, dass die verwendeten Produkte nicht regional bezogen werden. Um den Preis so gering wie möglich zu halten, wird oftmals minderwertiges Mehl verwendet, was nicht unbedingt für die Qualität der Backwaren spricht.

Im Gegensatz zu dieser Kostenführerschaft legen kleinere und mittelständische Bäckereien noch Wert auf Qualität, sodass das Einkaufserlebnis hier noch ein ganz anderes ist. Dieses ist nämlich nicht nur abhängig vom Preis, sondern wirkt sich auch auf unsere Sinne aus. Nicht nur das Auge isst an dieser Stelle mit, sondern auch der vertraute Geruch und die professionelle Beratung durch das geschulte Personal spielen eine entscheidende Rolle. Darüber hinaus werden in den Handwerksbetrieben meist regional gefertigte Backwaren angeboten, die häufig mithilfe von Familienrezepten hergestellt werden. Durch den Kauf beim richtigen Bäcker können Sie dieses Handwerk unterstützen, welches vor allem durch den Vormarsch der „Aufbäcker“ vom Aussterben bedroht ist.