Digitalisierung in der Bäckereibranche

Veröffentlicht am 20.04.20

Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten. Seit Jahren schreitet sie voran und nimmt immer größere Ausmaße an. Handwerksbetriebe, zu denen auch Bäckereien zählen, tun sich häufig noch schwer mit der Digitalisierung. Über 50% der Betriebe sehen diese als eine große Herausforderung an. Doch die Wirtschaft und auch Gesellschaft entwickeln sich stetig und schnell in eine digitale Zukunft. Deswegen ist es auch für Handwerksbetriebe unabdingbar, sich mit der Digitalisierung in ihrem Betrieb zu befassen, um für die digitale Zukunft gerüstet zu sein.   

 

Onlinepräsenz 

Es wird online bestellt, geshoppt, bewertet, recherchiert, kommuniziert. Es gibt kaum einen Bereich des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens, der nicht im Internet stattfindet oder zumindest zugänglich ist. Mittlerweile ist die online Präsenz keine Frage mehr, sondern ein Muss. In Deutschland ist der Anteil der Internetnutzer im Jahr 2018 erstmals auf über 90% gestiegen. Drei Viertel der Deutschen sind täglich mindestens einmal online. Öffnungszeiten, Bewertungen, Produkte oder Speisekarten…heutzutage ist alles im Internet zu finden. Ganze 76% der Internetnutzer holen sich erste Informationen zu einem Unternehmen online ein. Dabei sind Branche und Intention der Suche irrelevant, alles wird gesucht. Diese große Bedeutung, die dem Internet als Informationsquelle, Bewertungsportal oder auch Kommunikationskanal zuteilwird, sollte von Unternehmern nicht unterschätzt werden. Heutzutage ist es elementar online gefunden zu werden. Und nicht nur das, es ist auch besonders wichtig, schnell gefunden zu werden. Auch eine hohe Position im Google-Ranking ist von Vorteil, um Wettbewerber leichter ausstechen zu können. Die zentrale Maßnahme eines jeden Bäckereibetriebs sollte der Aufbau einer modernen, informativen und leicht zu bedienenden Website sein. Die wichtigsten Informationen wie Speiseangebot, Öffnungszeiten, Standorte oder auch Kontaktdaten müssen leicht auffindbar sein. Die Website sollte ansprechend und übersichtlich gestaltet sein, um eine längere Verweildauer zu erzielen und das Interesse der Besucher zu wecken. 

Es ist in aller Munde und aus dem gesellschaftlichen Leben kaum mehr wegzudenken: Social Media. Unglaubliche 3,8 Milliarden Menschen weltweit werden als aktive Social Media Nutzer eingestuft. An diesen Zahlen ist die Relevanz der sozialen Netzwerke eindeutig erkennbar. Ein Großteil des Lebens der Kunden von morgen spielt sich über die sozialen Netzwerke ab. Es ist absolut notwendig, dass sich auch Handwerksbetriebe wie Bäckereien darüber bewusst sind, dass sie diese Kunden langfristig erreichen müssen. Am einfachsten ist dies, indem sich ein Unternehmen Profile bei den gängigen Netzwerken wie Instagram, Facebook oder auch Twitter anlegt und fleißig postet. Natürlich ist das viel Arbeit, immer neue Themen festzulegen, Produkte zu fotografieren oder auch auszuwerten, was genau bei den Followern besonders gut ankommt. Doch wenn Sie sich nur etwas Gedanken über die Aktionen, Geschichten im Team oder die Geschichte der Bäckerei machen, werden Sie merken, dass es zahlreiche Dinge gibt, die Sie online erzählen können.  

Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels und den abnehmenden Zahlen in den Ausbildungsberufen der Bäckereibranche ist es auch eine Überlegung wert, das Unternehmen bei LinkedIn und Xing zu bewerben. Erstellen Sie ein Profil, stellen Sie Ihr Unternehmen vor, posten Sie interessante Fakten und Geschichten und gewinnen Sie nach und nach immer mehr Anhänger. Und vielleicht sind das Ihre Auszubildenden von morgen…  

 

ERP-Systeme, Zeiterfassung, Kassensysteme, … 

Doch nicht nur die Onlinepräsenz ist heutzutage elementar, sondern vor allem der Umstieg auf digitale Alternativen im Bereich der Prozessabläufe, des Warenmanagements oder auch der Kassen. So beispielsweise ein Zeiterfassungs- und Schichtplanungssystem. Während händisch weitaus mehr Fehler bei der Erstellung eines Schichtplanes entstehen, Änderungen einen großen Aufwand darstellen und Lohnabrechnungen viel Zeit in Anspruch nehmen, erleichtern uns diese Systeme die Arbeit maßgeblich. Mit der minutengenauen Zeiterfassung wird jetzt nur noch die Zeit erfasst, die auch tatsächlich gearbeitet wird. Die Mitarbeiter haben von überall und jederzeit Einblick in ihren Dienstplan. Schichtplanänderungen können zentral und in Echtzeitig gesteuert werden. Tschüss Zettelwirtschaft, hallo digitale Welt!  

Die Integration modernster IT-Lösungen ermöglicht es uns heutzutage auch, die Menge der Produzierten Backwaren genau an die Nachfrage anzupassen. So kann Lebensmittelverschwendung systematisch reduziert und der Rohstoffverbrauch nachhaltig gestaltet werden. Sie können aber auch bei der Vorausplanung von Ereignissen helfen, bei denen sich die Nachfrage und das Kaufverhalten der Kunden verändert. So beispielsweise an Feiertagen oder saisonalen Gegebenheiten. An sonnigen Grillwochenenden wird weitaus mehr Brot gekauft, was mit dem digitalen Abruf der Wettervorhersage gut geplant werden kann. Mithilfe dieser digitalen Lösungen wird die Retourenquote nachhaltig verbessert.  

Auch der Warenbestand im Lager lässt sich digital erfassen. Geht der Bestand zur Neige, wird beim Lieferanten automatisch eine neue Lieferung in Auftrag gegeben. Der Überblick geht nicht verloren und viel Arbeitszeit wird eingespart.  

Genauso ist es auch möglich, Arbeitsbereiche wie die Kältesteuerung digital vorzunehmen und zu automatisieren – dazu muss man nicht mal mehr direkt vor Ort sein. Aber als einer der Klassiker gilt in der Bäckereibranche immer noch das Hygienemanagement. Eine Masse an zu führenden Listen, Aufzeichnung von Ergebnissen und Fortschritten, Schulungsunterlagen und -plänen führten bisher zu einer riesengroßen Zettelwirtschaft und jeder Menge Arbeitsaufwand. Auch das ist durch intelligente IT-Lösungen nicht mehr notwendig, sondern lässt sich mittlerweile zentral erstellen, verwalten und ermöglicht so die digitale Transformation von analogen Prozessen.  

 

Auch wenn Handwerksbetriebe sich nur zaghaft an die digitalen Möglichkeiten heranwagen, ist es notwendig, um für die Zukunft gewappnet zu sein und zu bestehen. Und trauen sie sich erst einmal ran, merken alle immer schnell, wie viele Vorteile und Erleichterung die IT-Lösungen mit sich bringen. Also – seien auch Sie offen für die digitale Zukunft mit seinen kleinen Alltagshelfern.