24/7 - Rund um die Uhr

Veröffentlicht am 21.09.21

24/7 - vor ein paar Jahren noch gänzlich unbekannt, weiß inzwischen jeder was mit dem Begriff anzufangen. Einkaufen rund um die Uhr. Keine geschlossenen Ladentüren. Ob mitten in der Nacht, am frühen Morgen oder nach Feierabend - kein Wunsch der VerbraucherInnen soll warten müssen. Auch die Bäckereibranche ist von dieser Entwicklung betroffen, wollen die Kundinnen und Kunden schließlich auch nicht auf ihr geliebtes Brot verzichten, wenn sie später Feierabend machen. Es gibt Chancen, aber auch viele Herausforderungen, die das "Rund-um-die-Uhr-Modell" mit sich bringt.

Gesetzliche Öffnungszeiten

In den USA ist das Modell schon seit vielen Jahren Normalität. Deutschland beschäftigt sich auch schon lange mit der Idee, allerdings scheiterten weitere Pläne immer spätestens am strengen Arbeitnehmerschutz. So sind Sonn- und Feiertage noch immer stark geschützt und nur in wenigen Branchen darf gearbeitet werden. So auch in der Bäckereibranche. Hier darf auch an Sonn- und Feiertagen gearbeitet werden. Allerdings gibt es auch hier Grenzen. An Sonntagen darf nur eine gewisse Anzahl an Stunden Ware verkauft werden. An manchen Feiertagen, wie zum Beispiel dem Zweiten Weihnachtsfeiertag, müssen die Filialen sogar gänzlich geschlossen bleiben. Diese Öffnungszeiten legen die Länder selbst fest, weswegen in einigen Bundesländern an Sonntagen lediglich drei Stunden verkauf werden darf, in anderen bis zu neun Stunden. An diese gesetzlichen Öffnungszeiten muss sich strikt gehalten werden. Anders sieht es aus, wenn ein Cafébereich zur Bäckerei gehört. Erst im Jahr 2019 wurde vom Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil gesprochen, dass in diesem Falle auch Bäckereien nicht mehr an die gesetzlichen Öffnungszeiten gebunden sind, da die Bäckerei dann wie eine Gaststätte zu behandeln sei. Es ist zu sehen, dass das 24/7-Modell bereits an Sonn- und Feiertagen scheitern kann. Seit einigen Jahren wird jedoch viel diskutiert, ob diese Tage nicht gelockert werden sollte.

Neue Lösungen

Aufgrund der Gesetze rund um Arbeitnehmerschutz und Öffnungszeiten sind neue Möglichkeiten aufgetaucht, die diese Herausforderungen umgehen. So tauchen zunehmend Selbstbedienungskonzepte auf. Die Backwaren werden außerhalb der regulären Öffnungszeiten über kleine Klappen bereitgestellt aus denen die Kundinnen und Kunden sich das gewünschte Produkt herausnehmen können. Diese Selbstbedienungsstationen befinden sich häufig direkt an den Filialen oder bei Shop-in-Shop-Lösungen im vorgelagerten Verkaufsraum, der auch nach Ladenschluss zugänglich ist. In kleinen Gemeinden, wo man außerhalb der regulären Öffnungszeiten kaum Möglichkeiten hat an Lebensmittel zu gelangen, ist dieses Konzept durchaus sinn- und wertvoll. Oft läuft dies über eine Vertrauensbasis ab, da die Klappen geöffnet werden können ohne zu bezahlen. Das Vertrauen muss also groß sein. Aber es gibt auch Verfahren, die über Apps gesteuert werden und nicht auf reinem Vertrauen basieren.

Die Herausforderungen

Natürlich steht man aber auch hier vor Herausforderungen: Die Backwaren müssen frisch bleiben, Hygienevorschriften müssen garantiert und eingehalten, die Selbstbedienungsstationen aufgefüllt werden. Auch müssen Überlegungen angestellt werden, welche Produkte angeboten werden. Die Qualität sollte zwischenzeitlich ebenfalls kontrolliert werden, insbesondere, wenn die Klappen frei zugänglich und ohne Bezahlung zu öffnen sind. Will man eine Selbstbedienungsstation einführen, sollte im Voraus gut geplant werden, damit diese ein voller Erfolg wird.

Die Chancen

Dieses neue Konzept der 24/7 Selbstbedienungsautomaten hat aber auch seine Vorteile. So profitieren die Kundinnen und Kunden von längeren "Öffnungszeiten" und sind nicht mehr auf begrenzte Öffnungszeiten angewiesen, die eventuell nicht in ihren Tagesablauf passen. Während der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, dass das Selbstbedienungskonzept durchaus gefragt ist. Angesichts der Lebensmittelverschwendung hat das Modell ebenfalls seine Vorteile. So werden Backwaren nach Ladenschluss noch weiter zum Verkauf angeboten, wodurch die Wahrscheinlichkeit, dass sie noch verkauft werden, steigt. Denn all jenen Kundinnen und Kunden, die aufgrund der begrenzten Öffnungszeiten nicht mehr eingekauft hätten, wird so die Chance geboten, die Backwaren noch einzukaufen. Zuletzt ist es auch eine Frage der Personalkosten. Selbstbedienungsstationen sind wie eine eigene Filiale, allerdings fast ohne Personalkosten. Diese Kosten fallen lediglich für das Auffüllen der Automaten an.

Selbstbedienungsstationen haben angesichts der steigenden Nachfrage nach 24/7 sicherlich viele Vorteile. Wir sind aber noch immer der Meinung, dass der direkte Kontakt mit dem Verkaufspersonal am schönsten ist. Doch außerhalb der Öffnungszeiten eignet sich dieses Modell, um allen den Zugang zu den eigenen Backwaren zu ermöglichen. Eine Überlegung ist dieses Modell langfristig wert, da die Nachfrage nach "flexiblem Einkaufen rund um die Uhr" weiter steigen wird.