So leiden Bäcker unter der Corona-Krise

Veröffentlicht am 27.02.21

Die Bäckereibranche hat in der Corona-Krise teils herbe Umsatzverluste hinnehmen müssen. So belaufen sich die kumulierten Umsatzeinbußen bislang auf ein Minus von rund 13 %, was mehr als einer Milliarde Euro entspricht. Das ergab eine aktuelle Umfrage der Landesinnungsverbände und des Zentralverbandes des Bäckerhandwerks unter den Betrieben. Vor allem die Bäckerei-Cafés hätten während des Lockdowns mit erheblichen Umsatzverlusten zu kämpfen gehabt. So ging der Umsatz mit Kaffee und Heißgetränken sowie Snacks bei mehr als 86 % der befragten Betriebe zurück. Selbst beim Verkauf sogenannter loser Ware (Brot und Backwaren) gaben 54 % der befragten Betriebe an, in den vergangenen Monaten weniger verkauft zu haben. Deutlich wird dies auch bei Betrachtung der Kundenfrequenzen: Bei 56 % der Unternehmen ging sie während der Krise merklich zurück, lediglich 28 % hatten mehr Kundschaft in den Filialen zu verzeichnen. "Hochgerechnet fehlt den Handwerksbäckern damit mehr als eine Milliarde Euro Umsatz in den Kassen", stellte Michael Wippler, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks, fest.

Entsprechend getrübt sind die Erwartungen der Bäckereibetriebe mit Hinblick auf die Zukunft: Bei der Betriebsbefragung der Landesinnungsverbände und des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks haben rund 1.100 Bäckereien teilgenommen. Die Mehrzahl der Betriebe rechnet damit, dass eine Rückkehr zum Normalbetrieb frühestens gegen Ende des Jahres möglich sein wird. Mit dieser hohen Rücklaufquote von 11 % habe man einen guten Überblick über die aktuelle Situation der Betriebe bekommen, so Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes. Die Betriebsumfrage sei damit der größte Branchenüberblick, der seit der Corona-Krise durchgeführt wurde.

Sortimente angepasst

Zudem hat die Umfrage unter den Innungsbäckern ergeben, dass rund 60 % der Betriebe bislang keine staatlichen Hilfen in Anspruch nehmen mussten. Für die anderen Betriebe waren vor allem die Soforthilfen des Bundes (31 % der Betriebe) sowie das Kurzarbeitergeld und die Möglichkeit der Steuerstundung das passende Mittel der Wahl. Dank diesem Bündel an staatlichen Hilfen konnten betriebsbedingte Kündigungen bei 88 % der Betriebe verhindert werden. Schnell auf die Krise reagiert haben die Bäcker auch mit betriebswirtschaftlichen Anpassungen: Rund die Hälfte hat auf den Lockdown mit einer Sortimentsanpassung reagiert und fast 30 % mit einem Mehrschichtbetrieb in der Produktion.

Anhaltende Beschränkungen

Zwar werden einerseits die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Pandemie vom Großteil der Betriebe als sinnvoll und ausreichend bezeichnet, andererseits sind sie für die meisten Betriebe auch eine große Belastung. Als belastend für den Betriebsablauf werden von den Betrieben vor allem die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nase-Schutzes für Kunden und Mitarbeiter sowie die Beschränkung der Kundenzahlen im Verkaufsraum bezeichnet. Auch der Umgang mit Maskenverweigerern wird von einem Drittel der Befragten als stark belastend angesehen.

Auf die Frage, wie lange die Beschränkungen anhalten werden, zeigt sich die Stimmung im Bäckerhandwerk eher pessimistisch. Die Mehrheit geht davon aus, dass erst ab Herbst 2021 zum Normalbetrieb zurückgekehrt werden kann. Knapp ein Viertel der Betriebe gehen davon aus, dass frühestens 2022 die Pandemie überwunden sein wird. Besorgt zeigt man sich ebenfalls angesichts des gestiegenen Insolvenzrisikos. Mehr als doppelt so viele Betriebe wie noch vor einem Jahr bewerten ihr Risiko, zahlungsunfähig zu werden, als hoch.

 

Erschwerte Ausbildungsrekrutierung durch die Pandemie

Aufgrund der Einschränkungen zur Ausbreitung der Corona-Pandemie konnten viele Ausbildungsverträge noch nicht geschlossen werden. Für mehr als 50 % der Befragten ist die Ausbildungsrekrutierung erschwert. Entweder weil Hygiene- und Schutzbestimmungen keine Betriebspraktika zugelassen haben (20 %) oder weil der fehlende Zugang zu den Schulen (23 %) nicht möglich gewesen ist. Zudem gaben mehr als 10 % der Befragten an, dass auch für sie die Nachwuchsgewinnung schwierig ist, aber mit Alternativen (z.B. digitalen) Rekrutierungskanälen auf die Herausforderung reagiert wird. Der Zentralverband und die Landesverbände unterstützen die Betriebe im Bäckerhandwerk mit auf die Zielgruppe abgestimmten digitalen Maßnahmen und Informationen für eine möglichst passgenaue Ausbildungsoffensive. Für fast 6 % der befragten Betriebe ist die Rekrutierung von Auszubildenden trotz offener Lehrstellen gegenwärtig gänzlich unmöglich.

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die deutsche Wirtschaft insgesamt und natürlich auch auf das Bäckerhandwerk sind schon jetzt erheblich. Erwartet werden muss zudem, dass die wirtschaftlichen Herausforderungen der Corona-Krise in den kommenden Wochen weiter andauern werden.